Bestandsgebäude intelligent modernisieren

Deutschlands Gebäudebestand ist das Rückgrat unserer bebauten Umwelt, aber auch eine der größten Herausforderungen der Energiewende. Steigende Energiekosten, neue gesetzliche Vorgaben wie das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und gestiegene Komfortansprüche der Nutzer setzen Eigentümer unter Druck. Eine reine Sanierung der Gebäudehülle ist oft extrem kostspielig und nicht immer umsetzbar.

Der intelligenteste und oft wirtschaftlichste Hebel zur Modernisierung liegt jedoch im Verborgenen: in der Erneuerung der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik (MSR). Eine maßgeschneiderte Nachrüstung der Gebäudeautomation (GA) kann die Energieeffizienz drastisch steigern und den Komfort auf Neubauniveau heben – oft mit einem Bruchteil der Kosten einer Komplettsanierung.

Die besondere Herausforderung: Der Bestand

Im Gegensatz zum Neubau auf der grünen Wiese stellt die Modernisierung im Bestand besondere Anforderungen. Die technische Realität sieht oft so aus:

  • Heterogene Anlagentechnik: Über Jahrzehnte gewachsene Systeme, bei denen Komponenten verschiedenster Hersteller und Generationen nebeneinander existieren.
  • Fehlende Dokumentation: Oft sind keine sauberen Pläne oder Aufzeichnungen zur bestehenden Technik mehr vorhanden.
  • Bauliche Einschränkungen: Neue Kabelwege zu schaffen ist aufwändig, schmutzig und stört den laufenden Betrieb. Wände und Decken können nicht beliebig geöffnet werden.
  • Laufender Betrieb: Modernisierungen müssen häufig während der normalen Nutzung des Gebäudes stattfinden, was minimale Störungen erfordert.

Eine „Lösung von der Stange“ ist hier zum Scheitern verurteilt. Gefragt ist eine pragmatische, flexible und schrittweise Vorgehensweise.

Die Lösung: Moderne und flexible Nachrüst-Technologien

Die gute Nachricht ist: Die moderne MSR-Technik bietet heute eine Vielzahl von Werkzeugen, die speziell für die Herausforderungen im Bestand entwickelt wurden.

  1. Funkbasierte Systeme (Wireless): Wo keine Kabel verlegt werden können, kommen Funksensoren und -aktoren zum Einsatz. Technologien wie EnOcean (batterielos), LoRaWAN (große Reichweite) oder KNX-RF ermöglichen die Nachrüstung von intelligenter Einzelraumregelung oder die Erfassung von Fensterkontakten ohne aufwändige Stemmarbeiten.
  2. Gateway-Technologie: Bestehende, aber noch funktionstüchtige Anlagenteile (z.B. ein älterer Kessel oder eine Kältemaschine) müssen nicht zwingend ausgetauscht werden. Über spezielle Gateways können deren Daten ausgelesen und in eine moderne, übergeordnete Managementebene integriert werden. So wird Altes mit Neuem intelligent verbunden.
  3. Modulare und skalierbare DDC-Controller: Anstatt eines riesigen, monolithischen Systems erlauben moderne, modulare Steuerungen eine schrittweise Modernisierung. Man beginnt mit den größten „Energiefressern“ und kann das System später flexibel erweitern.

Der Weg zur intelligenten Modernisierung: Eine Strategie in Phasen

Ein erfolgreiches Retrofit-Projekt folgt einem klaren Plan, der die individuellen Gegebenheiten und Budgets berücksichtigt.

Phase 1: Analyse und Bestandsaufnahme Am Anfang steht eine gründliche technische Inspektion: Welche Anlagen sind vorhanden? In welchem Zustand sind sie? Wo liegen die größten Energieverluste? Eine saubere Analyse ist die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen und deckt die wirtschaftlichsten Potenziale auf.

Phase 2: Identifikation der „Low-Hanging Fruits“ Nicht alles muss auf einmal saniert werden. Oft bringen wenige, gezielte Maßnahmen bereits den größten Erfolg. Typische Ansatzpunkte mit hoher Amortisation sind:

  • Optimierung der Heizzentrale: Einbindung einer witterungs- und bedarfsgeführten Kesselsteuerung.
  • Intelligente Pumpenregelung: Austausch alter, ungeregelter Pumpen gegen Hocheffizienzpumpen mit bedarfsgerechter Drehzahlregelung.
  • Einzelraumregelung in Referenzräumen: Start in typischen Nutzungsbereichen (z.B. Büros, Besprechungsräume), um die Heizenergie gezielt dort bereitzustellen, wo sie gebraucht wird.

Phase 3: Schrittweiser Ausbau Basierend auf den ersten Erfolgen und den gesammelten Erfahrungen kann das System modular erweitert werden, z.B. durch die Integration der Lüftungsanlagen, der Beleuchtungssteuerung oder weiterer Gebäudeteile.

Ihr Gewinn: Mehr Wert, weniger Kosten

Die Investition in eine maßgeschneiderte MSR-Modernisierung zahlt sich mehrfach aus:

  • GEG 2025 Konformität: Sie erfüllen die gesetzlichen Nachrüstpflichten für Gebäudeautomation in Nichtwohngebäuden (> 290 kW).
  • Erhebliche Kostensenkung: Sie senken Ihre Energiekosten um bis zu 30 % und entlasten Ihr Budget oder die Nebenkostenabrechnung.
  • Wertsteigerung der Immobilie: Ein energieeffizientes und komfortables Gebäude ist attraktiver für Mieter und erzielt einen höheren Marktwert.
  • Gesteigerter Nutzerkomfort: Eine stabile Temperatur, gute Luftqualität und einfache Bedienbarkeit erhöhen die Zufriedenheit der Menschen im Gebäude.

Fazit: Machen Sie das Beste aus Ihrem Bestand

Ihr Bestandsgebäude hat enormes Potenzial. Mit der richtigen Strategie und einer flexiblen, intelligenten MSR-Technik verwandeln Sie alte „Energiefresser“ in effiziente und komfortable Liegenschaften. Der Schlüssel liegt in einer maßgeschneiderten Planung, die die individuellen Gegebenheiten respektiert und technologisch das Machbare umsetzt.

Als erfahrener Partner für die Modernisierung im Bestand analysieren wir Ihre Liegenschaft und entwickeln mit Ihnen gemeinsam eine pragmatische und wirtschaftliche Roadmap für die Zukunft.

Sprechen Sie mit uns über Ihr Gebäude. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit gezielten Maßnahmen das Maximum aus Ihrer Immobilie herausholen.

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