Die Komplexität moderner Gebäude hat einen Punkt erreicht, an dem die traditionelle Übergabe vom Bau in den Betrieb nicht mehr funktioniert. Bauprojekte überziehen Zeiten und Budgets, und die fertiggestellte Anlage erreicht nur selten die geplante Energieeffizienz. Die Lösung liegt in der durchgängigen Digitalisierung des Gebäudes über seinen gesamten Lebenszyklus – mithilfe des Digitalen Zwillings.
Was ist der Digitale Zwilling im Gebäudebetrieb?
Der Digitale Zwilling ist die vollständige, virtuelle Repräsentation Ihres physischen Gebäudes und all seiner technischen Anlagen. Er ist die zentrale Datenplattform, die über die gesamte Lebensdauer der Liegenschaft hinweg alle relevanten Informationen sammelt und verknüpft:
- Statische Daten: Geometrie (aus BIM-Modellen), Dokumentation, Stromlaufpläne, Komponenten-Stücklisten.
- Dynamische Daten: Echtzeitdaten der MSR-Technik (Temperaturen, Verbräuche, Alarm- und Störmeldungen).
Effizientes technisches Inbetriebnahme-Management
Das GEG fordert explizit ein technisches Inbetriebnahme-Management für Neubauten. Der Digitale Zwilling macht diesen Prozess effizient und nachweisbar:
- Simulationsbasierte Fehlerprüfung: Bereits vor der physischen Inbetriebnahme können die Steuerungslogiken der MSR-Technik im digitalen Modell getestet und optimiert werden. Dies minimiert die zeit- und kostenintensiven Korrekturschleifen auf der Baustelle.
- Soll-Ist-Abgleich: Der Zwilling speichert die geplanten Effizienzwerte (Soll) und vergleicht diese sofort mit den real gemessenen Daten (Ist) des fertiggestellten Gebäudes. Abweichungen, die auf Installations- oder Planungsfehler hindeuten, werden sofort identifiziert.
Lebenszyklus-Management: Transparenz und Planbarkeit
Ist das Gebäude in Betrieb, wird der Digitale Zwilling zur unverzichtbaren Arbeitsgrundlage für das Facility Management:
- Fundierte Entscheidungsbasis: Er bündelt die Daten für Analysen und ermöglicht es der Geschäftsleitung, fundierte Entscheidungen zur Betriebsoptimierung zu treffen.
- Vorausschauende Wartung: Der Zwilling ist die Grundlage für KI-gestützte Analysen. Er erlaubt die Lokalisierung von Unregelmäßigkeiten und Verschleißerscheinungen. Ein Techniker kann im Zwilling sehen, welche Anlage im Serverraum ein Problem meldet, bevor er überhaupt vor Ort ist.
- Effiziente Sanierungsplanung: Bei zukünftigen Sanierungen im Bestand (Retrofit ) dient der Digitale Zwilling als lückenlose Dokumentation und Planungsgrundlage, selbst wenn der ursprüngliche Planer nicht mehr verfügbar ist.
Fazit: Der Digitale Zwilling ist mehr als eine technische Spielerei – er ist eine Versicherung für Ihren Investitionsschutz und eine Notwendigkeit, um die Energieeffizienz-Ziele über Jahrzehnte hinweg zu gewährleisten. Durch die Verbindung des Modells mit offenen MSR-Systemen schaffen Sie eine transparente, zentrale Übersicht über Ihr gesamtes Gebäudeportfolio