Die Anforderungen an die Energieeffizienz öffentlicher Liegenschaften steigen kontinuierlich. Nachdem das Gebäudeenergiegesetz (GEG) 2025 die Nachrüstung von Systemen zur Gebäudeautomatisierung für größere Nichtwohngebäude $(> 290 \text{ kW})$ verpflichtend gemacht hat steht mit der novellierten EU-Gebäuderichtlinie (Energy Performance of Buildings Directive, kurz EPBD) bereits die nächste Stufe bevor. Kommunen sind dabei in der Vorbildfunktion und müssen als erste handeln.
Die EPBD-Anforderungen: Nullemission als neuer Standard
Die EPBD ist seit Mai 2024 in Kraft und muss bis Ende Mai 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Der wichtigste Punkt für öffentliche Auftraggeber: Der Standard des Nullemissionsgebäudes löst das bisherige Niedrigstenergiegebäude ab. Für Gebäude, die sich im Eigentum oder in der Nutzung öffentlicher Einrichtungen befinden, gilt diese Vorgabe bereits ab dem 1. Januar 2028 – zwei Jahre früher als für den privaten Sektor. Dies bedeutet, dass Neubauten und umfassend sanierte öffentliche Gebäude ab diesem Zeitpunkt keine fossilen Brennstoffe mehr verursachen dürfen.
Solarpflicht und digitale Infrastruktur
Die EPBD führt zudem eine schrittweise Solarpflicht ein. Spätestens ab dem 31. Dezember 2026 müssen Solaranlagen auf allen neuen öffentlichen Gebäuden und neuen Nichtwohngebäuden $(> 250 \text{ m}^2)$ installiert werden.
Um diese ambitionierten Ziele zu erreichen, wird die digitale Infrastruktur, insbesondere die Gebäudeautomation (GA), zum entscheidenden Werkzeug:
- Intelligenzfähigkeitsindikator (SRI): Die EPBD führt den „Intelligenzfähigkeitsindikator“ ein, der die Fähigkeit eines Gebäudes misst, sich an Nutzerbedarfe anzupassen, den Betrieb zu optimieren und mit dem Stromnetz zu interagieren.
- Datenbasierte Optimierung: Die GA muss alle wesentlichen Energieverbräuche kontinuierlich digital überwachen und die Anlagen intelligent steuern2. Nur so kann der hohe Standard des Nullemissionsgebäudes über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes nachgewiesen und gehalten werden.
MSR-Technik als Enabler für Nullemission
Moderne Mess-, Steuer- und Regelungstechnik (MSR) ist das zentrale Nervensystem, das diese Transformation ermöglicht:
- Sektorkopplung: Die MSR-Technik vernetzt Heizung, Lüftung, Klima (HLK) und Beleuchtung: Zukünftig muss sie auch die Erzeugung (Solaranlagen) und Speicherung (Batterien) sowie die Ladeinfrastruktur für E-Mobilität nahtlos integrieren, um den Eigenverbrauch von Solarstrom zu maximieren und den Bezug von Fremdstrom zu minimieren.
- Predictive Maintenance und Effizienz: Durch kontinuierliches Monitoring und prädiktive Steuerung wird der Energieverbrauch auf das absolute Minimum reduziert, was bis zu 30% Einsparungen ermöglicht. Dies ist für das Nullemissionsziel essenziell.
Fazit: Die EPBD und die daraus folgenden GEG-Anpassungen sind keine ferne Zukunftsmusik, sondern unmittelbarer Handlungsauftrag. Nutzen Sie die verbleibende Zeit, um Ihre Gebäudeautomatisierung nicht nur gesetzeskonform nach GEG 2025, sondern zukunftssicher im Sinne der EPBD aufzustellen. Eine frühzeitige, strategische Investition in MSR-Technik ist der wirtschaftlichste Weg, um Ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden und Ihre Liegenschaften fit für das Jahr 2028 zu machen.